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erinnerungen:: Norbert Trojahn

Die Verfolgung der "Staatsfeinde"
Hier erzählt Magda Bils-Trojahn was sie erlebte und fühlte als der 2. Weltkrieg begann. Auszug aus ihrem Buch  “Bei uns zu Hause“ .

Wir wussten, dass die Juden verfolgt wurden, dafür gab es genügend Anzeichen und Beweise. Diese bedauernswerten Menschen mussten einen gelben Stern an ihrer Kleidung tragen, damit jeder sah: das ist ein Jude! Ebenso waren ihre Geschäfte gekennzeichnet. Dort sollten oder durften wir nicht einkaufen.
Unser Vater bevorzugte ein Kaufhaus, das extra für Beamte eingerichtet war. Er feilschte gern, und war zufrieden, wenn er einige Sachen günstiger bekam. Ehrlich: Uns war es peinlich.
Auch 'Sternfeld', das größte Kaufhaus in der Stadt - unser Bruder Walter hatte da seine kaufmän-nische Lehre absolviert – wurde von uns in der Regel immer besucht. Daß die Firma unter jüdischen Leitung stand, war uns nicht bekannt, wäre uns auch egal gewesen. Irgendwann hieß es nicht mehr 'Sternfeld' sondern Grundmann'.

In Praust kauften wir nötige Waren in zwei Weißwarengeschäften. Es waren freundliche Geschäftsleute. Ebenso der Schrotthändler. Dass es Juden waren, erkannten wir später an ihrem Stern. Eines Tages existierten die Läden nicht mehr.

Die deutsche Bevölkerung wurde aufgefordert, Ahnenforschung zu betreiben. Insgeheim hieß es, den Nachweis zu erbringen, dass man arischer Abstammung war. Die Eheschließung meiner Freundin Eva, die mit einem Oberleutnant verlobt war, scheiterte fast daran, dass eine Urgroß-mutter halb-jüdischer Herkunft war.

Unsere Klassenlehrerin, Fräulein Ptach, war eine überzeugte Anhängerin des 'Führers'. Wir tuschelten: Wie die Nonnen mit Jesus, war sie mit Hitler verlobt. Sie war exkommuniziert; aus der Kirche ausgeschlossen. Und das in einer Klosterschule.
Sie lehrte uns, die Juden zu erkennen. Mein Gott, was war die verbohrt. Wenn wir auf die Füße der Juden schauten würden die zurückweichen, weil sie sich ihrer Plattfüße schämten. Der Judenkranz soll ein weiteres Merkmal gewesen sein. Auch die Namen wurden von der Ptach bemängelt. Sie hätten blumige Namen, die auf Besitz schließen ließen. Diese Lehrerin verlangte von uns, dass jede Schülerin das Buch „Soll und Haben“ lesen sollten. Gott sei Dank fiel das ins Wasser, da der Lehrplan keinen Platz mehr aufwies.

Bei Nacht und Nebel verschwanden immer mehr Juden aus unserem Gesichtsfeld. Es hieß, sie seien ausgewandert bzw. in ein Arbeitslager gekommen. Was sich letztendlich hinter den Buchstaben 'KZ' verbarg, drang nicht in die Ohren der 'normalen' Bevölkerung. Die Nazis hatten dafür gesorgt, dass wir nichts sahen und hörten. Im Februar 1945 konnten auch die Braunen nicht verhindern, dass ich Juden sah.


Magda Bils Trojahn



Quelle: Norbert Trojahn, Horst - ehemals Werderstr. 12a
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